Morgenstern-Stiftung / Galerie der Künstler
Carl Bens - Bildhauer, Skulpteur und Zeichner,
wurde 1987 in Schwedt/Oder geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Ab 2004 hatte er einen vier- jährigen Studienaufenthalt in Italien, wo er an der Scuola Professionale per scultori di Lasa die Kunst der Bildhauerei erlernte. Prämisse seiner Ausbildung war das akribische Studium ästhetischer Formen und deren differenzierte Umsetzung. Aufgrund dieser Erkenntnisse und des Aufarbeitens der alten Meister entschloss er sich, seine Arbeiten dem Realismus zu widmen. Seine Werke bestechen durch emphatische Details und deren präzise technische Ausführung. Seit 2008 lebt und arbeitet der Künstler wieder in Berlin.
Die erste Reaktion nach der Inaugenscheinnahme von Fotos seiner
Werke ist Erstaunen: Was, das ist wirklich aus Marmor? Eine zerbrochene Kassette, eine überdimensionale Uhr. "Ich wollte auch Material untypische Themen in exklusivem Material umsetzen", sagt Carl Bens, 22 Jahre jung, Bildhauer. Ein Vertreter der mp3-Generation auf den Spuren der Alten Meister. Einen Weg befolgend, der vorgezeichnet schien.
"Nach dem Fall der Mauer bin ich mit meinen Eltern jedes Jahr nach Südtirol in Urlaub gefahren". Dort habe er eine Führung durch die Scuola professionale per sculturi di Lasa mitgemacht. Da war er acht Jahre alt, und ihm war klar: "Diese Schule werde ich eines Tages besuchen."
Mit 16 hat er sich beworben, ein Jahr später gehörte er zu dem auserwählten Kreis der Akademie-Schüler. Vier Jahre lernte er, den weißesten Marmor der Welt zu lesen, zu verstehen, mit Hammer und Meißel seine Vorstellungen in den ehrwürdigen Stein der Meister zu übersetzen. "Wenn man zehn Stunden pro Tag am Marmor steht, schafft das Erfurcht und Erkenntnis", sagt Carl Bens. "Ich weiß schon im Voraus, was der Stein hergibt, wie das Endprodukt aussehen wird.
Im Laufe der monatelangen Arbeit lernt man jeden Kristall kennen." Man ringe dabei dem Stein seine Vision eines Werkes ab, schließlich wünsche sich der Marmor ja
nicht, ein Arm oder ein Torso zu werden, im Gegenteil, da habe er letztendlich sogar etwas dagegen.
Bildhauerei, das ist für Carl Bens
eine ganzheitliche Wissenschaft. "Als Bildhauer bist du Zeichner, Maler, Arzt und Handwerker in einem." Bevor eine Idee in Stein gemeißelt wird, müssen erst aufwendige Studien angefertigt werden. "An meiner Diplomarbeit, einem muskulösen Arm, habe ich insgesamt ein halbes Jahr gesessen. Gut, dass ich so viele Mediziner in der Familie habe, so stehen mir jede Menge Anatomiebücher
zur Verfügung." Diese Körperstudien sind Mittel zum Zweck, gelten aber gleichsam auch als autonome Zeichnung. Dem jungen Künstler aus Berlin ist es ein großes Anliegen, das Wissen der Alten Meister zu erhalten, Tradition zu bewahren.
"Die Kunst der Bildhauerei ist doch schon fast verloren. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die diese Fertigkeiten, diese Techniken lehren können."